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Chronik

06.-09.06.13, Langstrecke

Bericht einer Debütantin (Edda)

Donnerstag: Zwei Jahre habe ich mir Björns Rumgemäkel anhören müssen, bis ich dieses Jahr trotz Schauergeschichten von Grundberührungen, üblen Kenterungen, Brückenpassagen mit Strom, Mastverlusten, 48 h Dauerregen, Monsterwellen auf dem kleinen Belt sowie durchwachte Nächte wegen Schnarchern nachgegeben habe. Und so trifft sich am Donnerstagmorgen am Strand von Holnis:

Die Wetteraussichten können nicht besser sein und sind genau das Richtige für Martin, der gerade von einer verregneten IDB vom Teggernsee ohne einen einzigen Lauf zurückgekehrt ist. Nachdem alles verstaut ist, geht es im Doppeltrapez mit Am-Wind nach Fynshav auf Als. Nach 1,5 Stunden entspannten Segelns wird eine Pause am Strand von Kragesand eingelegt. Kurz nach dem Ablegen treibt Ottos Wildcat ohne Mast auf der Ostsee. Muss wohl ein Langstreckenritual sein, dass wenigstens ein Boot ohne Mast unterwegs ist. Routiniert wird mit Unterstützung aller der Havarist an Land gebracht und der Mast wieder gestellt. Otto bekommt Weihnachten sicherlich einen Schäkelschlüssel geschenkt. Die Schläge werden länger und der Körper macht sich langsam bemerkbar. Jede Wende wird zur Wohltat. Der Spi-Kurs auf dem Kleinen Belt Richtung Fynshav ist ein Traum. Gegen 18 Uhr erreichen wir nach 36 Seemeilen unser Ziel. Ich bin doch ziemlich kaputt, aber das geht dem einen oder anderen wohl auch so. Faszinierend das Anladen: alle fassen an, schnell sind die Boote an Land und die Zelte aufgebaut. Die Infrastruktur ist hier super: Die Küche gibt alles her, was gebraucht wird. Tom ist der Chefkoch für die Nudeln, die sind auf dem Punkt. Björns Bolognese kommt gut an. Das Fass Flensburger und der Rotwein werden gerne nachgefragt. Im Sonnenschein sitzen wir bis abends, wirklich schön. Mit der Nacht kommen auch die Schnarcher. Der eine oder andere ist doch überrascht, was für Laute zu vernehmen sind.

Freitag: Sonnenschein. Da kein Wind weht, ist eigentlich unter der Küste Richtung Nordwest Hoch zu kreuzen, um dann mit einem Nordkurs in den Årø-Sund zu kommen. Von dort soll es nach der Mittagspause weiter nach Middelfart gehen. Nach den ersten Seemeilen ist das Teilnehmerfeld schon weit auseinander: zwei Boote versuchen es mit langen Schlägen, das Schiff des Landadels vermaß Windlöcher. So kommen nur sechs Boote an der Nordwest-Ecke von Als an. Auf der Überfahrt läßt der Wind immer mehr nach. Middelfart werden wir heute nicht mehr schaffen und wir sind froh Årø-Sund zu erreichen. Vor dem Sund können wir viele Schweinswaale beobachten. Zum Schluss holt Björn das Paddel raus (schaffte nur 1,4 kn, Martin hat was von 3,5 Knoten unter Paddel gemurmelt). Otto und Hennen sind so weit abgeschlagen, dass sie selbst mit dieser Paddelgeschwindigkeit wahrscheinlich erst zum Frühstück landen würden. Aber Peter organisiert eine Abschlepphilfe.
Unglaublich, obwohl sich erst auf dem Wasser die Pläne geändert hatten, stand Geli schon bei Martins Ankunft, der als erster gegen 18:30 Uhr ankommen war, mit dem Slipwagen am Strand und hatte Zeltplätze gebucht!
Nach 20 Seemeilen können wir beim Grillen mit Blick auf den Sund und schönsten Sonnenschein intensive Studien über die Gewohnheiten und Lebensräumen von Campingplatzbewohner betreiben. Abends erfolgte der geplante Crew-Wechsel: Thomas geht von Bord und Laurie steigt stattdessen zu Klaus aufs Boot.

Samstag: Bedeckter Himmel - aber der Wind hat sich zurückgemeldet. Da Otto und Björn, den einzigen zu Verfügung stehenden Topf zur Zubereitung von 8 l türkischen Kaffee benutzen ohne vorher Wasser für den Tee zu zubereiten, haben diesen Morgen die Teetrinker das Nachsehen.
Von Årø-Sund geht es nach Middelfart zur Insel Fænø Kalv. Mein Hinweis an meinen Vorschoter in der Fahrrinne bleiben zu wollen, erhalte ich den Spruch: "Egal, immer den anderen hinterher. Die Betonnung spielt hier für uns keine Rolle". Dann taucht vor uns doch plötzlich die Sandbank auf und die Fahrt wird abrupt gestoppt! Super! Die Schwerter haben etwas gelitten, aber zum Glück sind die Schwertkästen heil geblieben. Ab diesem Zeitpunkt legt mein Vorschoter großen Wert auf mittiges Fahren im Fahrwasser.
Die kleine Insel, von Martin als romatisch bezeichnet, ist total von Mobo-Brazzen-Typen bevölkert. Von daher nur ein kurzer Halt, der zum Aufwärmen aber gut tut. Zurück nach Årø-Sund fahren alle unter Spi, nur wir nicht. Ich soll Halbwindkurs üben - und kämpfe wieder mit der Welle. Zum Schluß darf ich dann noch Doppeltrapezfahren unter Spi üben. Wieso tut man sich solche Vorschoter an? Pause am Strand - tut wieder gut. Weiter geht es Richtung Barsø: Unser Boot läuft nicht so (oder liegt es an meinem Steuern?). Dafür üben Florianmit Christian am Frontloop. Im Ansatz schon nicht schlecht, aber die Drehung reicht für eine saubere Landung nicht. Auch Tim und Britta legen unter der Steilküste eine stylische Kenterungen hin. Otto will Hennen ein Kentererlebnis nicht vorenthalten und legt ein paar Meilen später sein Schiff ebenfalls auf die Seite.
Die Einfahrt nach Mjels Vig ist zum Teil recht schmal. Aber ein schöner Platz. Nach 53 Seemeilen tragen wir unsere Boot durch die Entengrütze an Land. Es tritt ein Problem bei der Bierversorgung auf. Für die Fässer, die Lauri besorgt hat, gibt es keinen Zapfhahn, obwohl ihr beim Einkauf zugesichert wurde, dass man kein Zapfsystem benötige. Aber dank Klaus mobiler Werkstatt wurde eine Lösung gefunden und die Stimmung bei den Bierkonsumenten wieder hergestellt. Otto hat sich beim Kentern am Finger verletzt. Dieter schnippelt fachmännisch dran rum und Otto meint nur, hat nur einmal sehr weh getan. Aber nun ist alles wieder gut. Nach dem leckeren Curry sitzen wir lange (manche sehr lange) im Gemeinschaftsraum zusammen. Die letzte Nacht im Zelt…. Morgen geht es schon nach Hause.

Sonntag: Nach einem leckeren Frühstück mit Camembert, Eiern, türkischen Kaffee aber auch Tee geht es um 11 Uhr los: Ziel Sonderborg: Nach dem Herauskreuzen geht es unter Spi weiter. Dann kommt das Brückenmanöver - ebenfalls unter Spi. Geli hat den Brückenwärter schon vorgewarnt. Die Ampeln stehen auf Rot; aber keinen scheint das zu interessieren, also wir hinterher, den Brückenwärter freundlich gegrüßt und anstandshalber mit dem Paddel im Wasser gerührt, jetzt bloß keine Böe abbekommen, aber die Abdeckung ist perfekt und so übersteht die Brücke mein erstes Brückenmanöver mit einem Cat schadlos. Hinter der Brücke landen wir am Strand an. Hier trennen sich die Wege: Florian und Christian fahren direkt nach Oestergaard, Peter und Dieter sowie Björn und ich segeln ebenfalls direkt nach Hause. Um 14 Uhr legen wir ab!
Unter Spi geht es zügig Richtung Süden. Bis bei Schleimünde der Wind schlagartig um 180° dreht und wir nun nur noch mit ca. 5 kn unterwegs sind. Nach 48 Seemeilen erreichen wir gegen 18:00 Uhr den Strand von Surendorf.
Um 19:30 Uhr holen wir Peter und Dieter von Strande ab, um gemeinsam nach Holnis zu fahren. Nach einem kurzen Aufenthalt bei Britta geht es dann mit den dort geparkten Trailern zurück nach Surendorf: Sachen auspacken und Boot aufklaren. Um 22:30 Uhr erreichen wir unser zu Hause.
Was bleibt zu sagen: einfach toll! Tolle Truppe, toller Segeltörn, viel Glück mit dem Wetter und dank Geli ein super reibungsloser Ablauf! Meine erste Langstrecke - super! Vielen Dank allen Organisatoren!!!

Edda

Den GPS Track von Björn findet Ihr wie immer hier (Java aktivieren).

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