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Chronik

CCFF Langstrecke 2007 - Nicht ganz rund Fünen

Es ist mal wieder so weit, der CCFF und einige Freunde wollen sich wieder aufmachen die Dänische Südsee unsicher zu machen. Ein großes Ziel vor Augen: wir wollen in vier Tagen Rund Fünen kommen!

Prolog (Kiel bis Holnis)

Für Peter und mich beginnt die Langstrecke schon einen Tag früher, wir wollen, wie letztes Jahr das Boot aus Kiel nach Flensburg segeln. Begleitet werden wir von Gunnar und Kerstin mit einem Inter 20 die erstmalig an unsere Tour teilnehmen wollen. Wind ist anfangs nicht so dolle, die 2 Bft aus Ost sind aber besser als die 0 Bft vergangenes Jahr, so dass wir guter Dinge sind. Der Wind nimmt nach dem queren der Eckernförder Bucht stetig zu und wir rauschen gen Norden. Dann kommt die schwarze Wolkenwand… eine Gewitterfront die gar nicht gut aussieht. Peter und ich sind schon etwas Richtung Land (Falshöft) abgebogen, haben kurz den Spi gezogen, dann aber schnell wieder eingepackt als die ersten Böen kommen. Gunnar zieht es vor noch etwas auf gleichem Kurs weiterzusegeln, wir stellen uns erstmal in den Wind um die Lage zu überblicken, dann kachelte es auch schon mit vollen 7 Bft los, Blitze zucken, es schüttet und das Land verschwindet außer Sichtweite…festhalten… die Wellen werden schnell steiler… wo ist Gunnar? Endlich sehen wir ihn ca. 300m in Luv von uns gekentert treiben, mist, also irgendwie hinkommen. Klappte auch irgendwie, der Wind steigert sich noch etwas, aber sehr beruhigend ist ein Dickschiff welches den gekenterten Inter 20 ausmacht und vor Ort das Ende der Front abwartet. Die beiden ziehen es vor, die nächste Stunde in gekentertem Zustand abzuwettern, während wir die aufrechte Position trotz Gewitter etwas sicherer finden. Schon echt angsteinflössend wie plötzlich man dem Wetter ausgeliefert sein kann. Als der Wind dann abflaut hat er etwas auf Süd gedreht, so dass wir den Spi ziehen können und wir rauschen wieder Richtung Norden. Der Wind schläft dann leider bei Kalkrund wieder ein, so dass es dann doch noch etwas dauerte bis wir die Flensburger Förde erreichen.

Endlich bei Otto angekommen sind Olli und Frauke sowie Florian und Robert (Dart Hawk aus der Geltinger Bucht) schon fast in ihren Kojen. Also schnell ins Bett, denn es soll ja morgen schon um 9 Uhr losgehen. Wir müssen bis Middelfart kommen, wenn wir wirklich rund Fünen wollen!

Tag 1 (Flensburg bis MjelsVig)

Nach einem leckeren Frühstück geht es zum Strand, Olli und Frauke bauen noch fix ihr Boot auf und alle treffen sich zur Lagebesprechung: Martin mit Britta, Siggi und Jörg, Klaus mit Sebastian, welcher später von Sarah abgelöst werden wird, Otto mit Ulli, Florian und Robert, Olli und Frauke, Gunnar und Kerstin und Peter und ich. Geli, als wichtigste Person unserer Langstrecke bekommt eine Jacke mit Aufschrift überreicht. Wir wollen erstmal los, ist sowieso schon wieder viel zu spät und Klaus muss noch schnell nach Hause sich umziehen. Ziel ist es, den Als Sund und Als Fjord hoch zusegeln und dann einfach mal zu schauen wie weit wir kommen. Der Wind sieht nicht sehr viel versprechend aus: schlappe 1-2 Bft aus südost. Aber die Sonne scheint und es ist warm, so dass schnell die ersten Trockenanzüge geöffnet sind. Langsam kreuzen wir die Flensburger Förde raus und sammeln uns am Ausgang, am Kragesand, links abbiegen Richtung Sonderburg und Spi ziehen. Peter und ich erwischen einige Böen und können uns von den anderen etwas absetzten, dann sind wir jedoch alle ziemlich gleichschnell, was natürlich für so eine Langstreckenfahrt sehr von Vorteil ist. Nur Otto kann irgendwie keine Tiefe laufen und es scheint, dass er außen um Als herum möchte. Mit Spi geht es dann auch durch die Klappbrücke in Sonderburg, Otto hat es dann gerade noch geschafft zur Öffnung da zu sein. So entspannt sind wir da noch nie durchgekommen, liegt vielleicht auch daran, dass in der Woche (Do) einfach nicht so viel los ist, sonst sind wir ja immer erst auf dem Rückweg (So) durch die Brücke gefahren. Unter der folgenden Autobahnbrücke ist dann erstmal der Wind weg und wir stehen mit den gezogenen Spis alle auf einer Linie, bei keinem bewegt sich irgendetwas. So langsam müssen wir überlegen, wie weit wir wollen bzw. heute noch können: Middelfart wird wohl nichts mehr, es stehen Mjelsvig im Norden von Als und Kalvö in der Genner Bucht zur Auswahl. Wir entscheiden uns für Mjelsvig und Geli kann mit dem Auto und Hänger losgeschickt werden. Wie von Zauberhand fangen nun einzelne Boote an zu fahren, um dann ein paar Meter weiter wieder einzuparken. Jeder ist mal vorne und ganz hinten, wirklich irre. Mir kommt das Ganze vor wie ein Brettspiel, die Boote als Spielfiguren werden einfach nacheinander nach vorne gezogen. Als der Sund dann breiter wird, wird der Wind, bzw. das was noch von ihm übrig ist gleichmäßiger. Es reicht gerade noch so um den Spi zum stehen zu bekommen, aber richtig schnell sind wir nicht. Die Entscheidung mit Mjelsvig war also richtig und wir dümpeln dem Sonnenuntergang entgegen. Es ist total still, die Boote bewegen sich lautlos und wir genießen die friedliche Stimmung. Leider weit und Breit kein Boot in der Nähe welches uns abschleppen könnte, denn so langsam wird es spät, die einzigen Boote die wir antreffen sind Ruderboote. Das letzte Stück wird dann gepaddelt bzw. die hinteren Boote bekommen tatsächlich doch noch etwas Wind. Im Sonnenuntergang schlängeln wir und durch die schmale Einfahrt nach Mjelsvig, wo Geli uns auf dem Steg winkend begrüßt. Sie hat alles organisiert, so dass wir, nachdem wir die Boote an Land getragen haben schnell noch im letzten Tageslicht die Zelte aufbauen können. Nach dem Duschen steht das Essen auf dem Tisch: Frauke und Geli haben in Windeseile ein leckeres Chilli Con Carne gezaubert. Alle langen nach diesem langen Segeltag ordentlich zu, nur Martin hat es schon ins Zelt verschlagen. Der Abend wird dann auch nicht sehr lang und wir fallen glücklich in unsere Betten. Klaus hat sich zwar dieses Jahr ein neues Zelt zugelegt (Vergl. Bericht von letztem Jahr, Stichwort Aquarium) zieht es aber vor, im Anhänger zu schlafen.

Tag 2 (MjelsVig bis Marstal)

Der nächste Tag weckt uns mit Wind (3 Bft aus Nordwest) und Sonne. Nach einem leckeren Frühstuck geht es los, wir wollen in die dänische Südsee, um Tasinge nach Svendborg, um dann durch den Svendborg Sund nach Aerö (Marstal) zusegeln. Das ganze fängt super an, kaum sind wir raus aus der Mjelsvigbucht, können wir nach einem kurzen Flieger den Spi ziehen um dann die Nordküste von Als entlang zusegeln. Nächster Sammelpunkt soll die nächste Untiefe sein, doch soweit sollten wir nicht kommen. Otto legt einen super Stunt hin, schafft es aber nicht zu kentern, packt dann aber den Spi ein und ist an seiner Ruderanlage zugange. Es stellt sich heraus, dass ein Bolzen gebrochen ist und er nur noch mit einem Ruderblatt weiterfahren kann, also erstmal Land anlaufen und schauen was zu retten ist. Wir packen auch alle unseren Spi ein und wollen langsam hinter Otto herdümpeln, dabei stellt sich dann aber heraus, dass wir geschwindigkeitsmässig nicht mithalten können, Otto ist einfach sau schnell, hinten in Lee am Ruder sitzend, also Lappen wieder raus. Wir laufen an der Nordküste Als einen kleinen Strand mit Campingplatz an, Boote werden an den Strand getragen und dank Brittas Dänischkentnissen ist dem Campingwart schnell erklärt was unser Problem ist. Er ist sehr Hilfsbereit, kommt mit Bohrmaschine, Bolzen usw. und nach einer halben Stunde ist die Ruderanlage wieder einsatzbereit. So ein Glück kann auch nur wieder Otto passieren. Leider hat uns die ganze Geschichte ziemlich aufgehalten, so dass schnell klar wird, dass wir unsere Tour über Svendborg trotz stetigem Wind nicht schaffen werden. Also umdisponieren, wir wollen nun nördlich um Lyö herum und dann die nordöstliche Küste Aerös herunter und abends in Martal anlegen, dort soll es einen schönen Strand geben. Der Wind nimmt noch etwas zu und wir ziehen wieder den Spi. Die nächsten Stunden erleben wir traumhaftes Segelwetter, Sonne, Wind von hinten und schöne Wellen zum "hinuntersurfen". Die Böen sind schön sanft…. dachten wir wenigstens, denn plötzlich wurde es ganz schön ruppig. Ich (inzwischen an der Pinne) nutzte die Gelegenheit um einen richtig schönen Stecker zu fahren, eigentlich hätten wir schwimmen müssen, aber wahrscheinlich hat uns das Gejohle der anderen motiviert nicht vom Boot zu fliegen und wir haben es irgendwie geschafft die Kiste nicht hinzuschmeißen. Das hat Otto etwas später leider nicht geschafft. Er folgte Klaus blind in die Untiefe zwischen Aerösköping und Marstal , sah den Grund und wollte Halsen… das blöder an dieser Kenterung war allerdings, dass der Flyer eine Schwert verlor, das auch in ausgedehnten Suchaktionen nicht wieder gefunden wurde, es treibt vermutlich immer noch in der Dänischen Südsee, ja ja, die Südsee fordert so ihren Tribut und Otto wird seit diesem Tage als "Otto, der ein Schwert gab" bezeichnet. Es wird immer später, so dass wir weiter müssen. Es folgt ein schöner Flieger das Fahrwasser nach Martal hinein, bei dem Peter sich als "Fearless Peter" wieder alle Ehre zuteil werden lässt, man ist das schnell. Wir müssen um an unseren "Strand" zu kommen durch den ganzen Hafen Marstals, enge Hafeneinfahrt, vorbei an der Werft, durch den Jachthafen hinein in eine wunderschöne Bucht an deren Ende Geli auf uns wartet. Der Hafenmeister will uns erst weis machen, dass wir hier, außerhalb des Jachthafens genauso zahlen müssen, ist aber dank einer Flasche Schnaps schnell davon überzeugt, dass die Boote hier nicht stören. Also Boote wieder anpacken und den Strand hoch tragen. Der Campingplatz ist direkt um die Ecke, Geli hat und schon wieder die besten Plätze reserviert und die Duschmarken liegen auf dem Tisch, genial. Essen können wir wieder in der hiesigen Küche kochen, die allerdings nur über einzelne alte Kochplatten verfügt. Das Wasser braucht ewig bis es kocht und unsere Nudeln ziehen wohl eher, als dass sie in sprudelndem Wasser zubereitet werden. Sarah kommt um Sebastian abzulösen, welcher am Wochenende noch umziehen muss. Eigentlich sollte er die letzte Fähre nehmen, doch wir kommen leider zu spät. Den Abend verbringen wir in einer der Gemeinschaftshütten, es wird uns der Kamin angezündet und Bier und Wein fließen reichlich. Mir sind dann noch Geschichten über Dänen mit merkwürdig geformten dicken Zigaretten mit komischem Geruch zu Ohren gekommen, lag aber zu diesem Zeitpunkt schon im Zelt, hörte dann aber die Versuche von Sarah und Ulli im Dunkeln ein Zelt aufzubauen, ich glaub sie haben es nicht geschafft und in der besagten Hütte übernachtet, am nächsten Morgen lagen die Einzelteile des Zeltes jedenfalls auf der Wiese verstreut.

Tag 3 (Marstal bis Höruphav)

Am nächsten Morgen ist erstmal Lagebesprechung angesagt. Der Wind soll weiterhin zunehmen und auf West drehen, d.h. wir sollten uns eigentlich nicht weiter von unserem Heimathafen weg bewegen um am Sonntag wieder in die Flensburger Förde zu gelangen. Wir entscheiden uns heute nach Hoeruphav auf Als zu segeln, von da aus sollten wir auch bei starkem Westwind am So nach Hause kommen. Im Nachhinein soll sich diese Entscheidung mal wieder als goldrichtig erweisen. So geht es erstmal den gleichen Weg zurück, an der Nordostküste Aerös rauf, mit dem Unterschied, dass es etwas windiger ist als am Vortag, so 5 - 6 Bft. Aber zum Glück von vorne und auf der Kreuz ist das Ganze ja sowieso ein bisschen entspannter. Wir versuchen möglichst dicht beieinander zu bleiben und nah unter Land zu fahren, da hier die Welle nicht so hoch ist. Mittagspause in Soeby, Otto beschlagnahmt gleich die Liegstühle einiger Urlauber und verteilt (deren?) Schokolade. Alle sind etwas angespannt, wie werden wohl die Bedingungen im kleinen Belt sein? Wenn wir ihn heute nicht queren werden wir es morgen ganz bestimmt nicht schaffen! Also los. Die Welle ist kurz und steil, der Wind aber relativ gleichmäßig, obwohl es mit guten 6 Bft. ballert. Aber wir sind ja an der Kreuz und müssen nur eine Wende fahren… wir bleiben wieder dicht beieinander. Otto nutzt die Gelegenheit um noch ein letztes mal sein Trampolin von unten zu kontrollieren, Florian schickt Robert nach vorne zum Spibaum, wobei natürlich das Trapezgummi seinen Geist aufgibt, ansonsten kommen wir aber alle wohlbehalten nach einer Stunde Bolzerei an der Ostküste von Als an. Wir wundern uns, warum Olli den nächstbesten Strand anläuft, erfahren dann, dass sich bei ihm während der Überfahrt die Verjüngung der Großschot löste. Wir hatten und schon gewundert warum er nie die Großschot aufmachen muss und einfach so durch alle Böen durchbrät. Unter der Küste ist es etwas angenehmer zu segeln und Martin und Olli liefern sich heiße Wendeduelle. Martins Wenden sind bei diesen Bedingungen etwas schneller, Ollis Bootsspeed ist aber etwas besser. Bei der Einfahrt ins Horup Hav schicken wir Florian vor, er kennt einen Strand direkt am Jachthafen den wir anlaufen möchten. Alles klappt wieder mal perfekt, Boot hoch tragen, Gruppenfoto, Geli hat sich schon um unsere Zeltmöglichkeiten gekümmert… Wahnsinn, direkt am Strand auf einer Wiese, 200m von unseren Booten entfernt, genial. Schnell einen Stein beiseite rollen und den Hänger auf die Wiese schieben. Die Zelte sind schnell aufgebaut, wir geduscht und der Grill angeschmissen. Resteessen: Kann man Rote Grütze mit Rum verfeinern? Schmeckt sie auch mit Bommi? Die obligatorische Flasche OUZO von Siggi und Jörg (zu unserem Bedauern leider kein OUZO 18) ist auch schnell geleert und dann haben wir ja auch noch Bier und Wein. Kurzum, es wird ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer. Endlich mal "Natur pur" ohne Hafenheim oder so (die Duschen mal ausgenommen).

Tag 4 (Höruphav bis Holnis)

Den nächsten Tag lassen wir sehr ruhig angehen, es ist ja nicht mehr weit. Peter und ich schlafen erstmal aus, sind aber nicht die letzten am Frühstuckstisch, für Sarah und Ulli war der Abend wohl noch länger. Langsam packen wir unsere Sachen zusammen, die Sonne scheint und den angekündigten Starkwind spüren wir hier an unserem geschützten Plätzchen nicht. Florian und Robert verabschieden sich von uns, sie wollen direkt in die Geltinger Bucht segeln. Peter und ich, sowie Gunnar und Kerstin hatten ursprünglich überlegt noch nach Kiel zu segeln, aber das wäre bei West 7 wohl ein nicht so geeigneter Kurs und als wir draußen in der Sonderburger Bucht sind, sind wir froh über unsere Entscheidung. Hier hätten wir nicht abfallen mögen und bewundern Florian, der einfach Gas gibt und nicht mehr gesehen ward. Später erfuhren wir, dass er bei einer Kenterung seinen Spibaum zerbrochen hat. Da wir gestern schon bei Starkwind eingesegelt sind, schaffen wir es ohne größere Zwischenfälle in die Flensburger Förde. Martin muss zwischendurch noch mal an Land, da sein Cunningham Auflösungserscheinungen zeigte. Die Hoffnung, dass in der Förde die Bedingungen etwas moderater sind zerschlagen sich, ich hab noch nie so eine Welle in der Förde gesehen, was sicherlich daran liegt, dass wir bei solchen Bedingungen von Holnis aus gar nicht erst aufs Wasser gehen. Der "Homerun" beginnt: wer ist als erster am Strand? Olli und Martin ziehen davon. Dann noch mal eine dunkle Wolke, ich erinnere mich an die Tour von Kiel nach Flensburg und wir wird etwas mulmig, sieht aber lang nicht so erschreckend aus, also weitersegeln. Wind nimmt noch mal zu, volle 7 Bft. Und wir stehen zeitweise nur im Wind. Martin und Olli haben abgewettert, weswegen wir dann doch als erster den heimatlichen Strand erreichen. So nach und nach trudeln alle ein, mit einem erleichterten, aber auch stolzem Blick, wir haben es geschafft.

Ich glaube, dass die diesjährige Langstrecke wieder ein voller Erfolg war. Wir haben unser Ziel Rund Fünen zwar nicht erreicht, haben aber wunderschöne Segelstunden verbracht. Vielleicht werden wir unser Vorhaben nächstes Jahr packen, wer kommt mit?

Rea Nies


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