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Chronik

03.-10.07.2010, F18 WM in Erquy

Anfahrt

1600 km als Auftakt für den Urlaub, das klingt nicht gerade entspannt. Um es ruhig anzugehen, fahren Steffi, Friederike und ich mit Martins Auto und unseren beiden Booten auf seinem Trailer in drei Etappen nach Erquy in die Bretagne. Martin kommt Mittwoch nach Rennes geflogen, wo wir ihn aufgabeln.
Die Fahrt ist ziemlich abwechslungsreich. Die erste Etappe wird zur Geduldsprobe. Es ist Freitag und Urlaubsbeginn. Auf den Straßen ist die Hölle los und so hängen wir ewig in Staus herum, gabeln in Hamburg Axels Gepäck auf und quälen uns durch den Baustellenparcours der A1 gen Süden. Gegen Mitternacht erreichen wir Neuss und legen bei Steffis Eltern die erste Rast ein.
Der zweite Tag bringt uns durch Belgien und wir staunen über die Tiefe der Bodenwellen und Schlaglöcher. Frankreichs Mautstraßen sind dagegen Entspannung pur (bis auf die engen Mautstellen). Wenig Verkehr, tolle Fahrbahn, da läßt es sich gut mit 110 km/h dahin tingeln. Der Verbrauch unserer Fuhre liegt damit bei 12,5 l. In den endlosen Agrargebiete gibt es nicht viel interessantes zu sehen und der TGV, der an uns vorbei ballert wird zum Highlight.
In der Normandie wird die Landschaft lieblich und unsere Hotelsuche zum Problem. Alles ist ausgebucht, selbst das Nobelhotel "La Villa de Houx" in Armal. Ratlos stehen wir mit unserer Fuhre davor und wollen gerade Martin um Buchungshilfe bitten, da kommt der Portier und bietet uns die Suite an. Sie ist reserviert, wird aber heute nicht genutzt und für 120 EUR dürfen wir sie beziehen. Wir liegen gerade auf dem Kingsize-Bett, da geht genau hinter der Panorama-Scheibe das Feuerwerk des Dorffestes los. Da sind uns der riesige Flatscreen und der Whirlpool egal, skuriler kann es eigentlich nicht sein.
Die letzten entspannten 480 km legen wir einen kleinen Umweg über Mont St Michel ein. Wie schon an den Mautstationen zahlen wir nur als Pkw, dürfen aber bei den Wohnmobilen parken. Die Insel wird touristisch hoffnungslos gemolken und platzt aus allen Nähten. Es ist Ebbe, vom Meer sieht man nur braune Brühe und Schlickfelder. Alles nicht so doll, also kommt uns das verschlafene Erquy um 18:00 wie das Paradies vor. Unter dem vereinbarten Stein finden wir den Schlüssel zur Ferienwohnung, doch es zieht uns runter ans Wasser. Es ist gerade Springzeit und Ebbe und vor uns erstreckt sich ein gut 100 m breiter Sandstrand.

Einleben

Die ersten Tage machen wir Familienurlaub und gewöhnen uns an die französischen Eigenheiten (vor 10:00 geht gar nichts). Wie die gesamten folgenden Tage scheint die Sonne vom blauen Himmel und es ist herrlich warm. Wir faulenzen am Strand und obwohl nur eine ganz leichte Seebrise weht, ist das Nacra-Team den ganzen Tag auf dem Wasser am angleichen. Nach und nach treffen auch die Hobie- und Capricorn-Teams ein. Überall wird geschraubt und gebastelt. Reihenweise werden nagelneue Wildcats und C2s aufgebaut. Das muss eine ganze Monatsproduktion an Booten sein.
Wir lassen uns vom Getümmel anstecken und wollen auch abladen und wenigstens den Hawk aufriggen. Zum Abladen brauchen wir Hilfe, doch keiner der Anwesenden ist in irgendeiner Weise ansprechbar. Jeder versteckt sich hinter seiner verspiegelten Sonnenbrille und coolem Gesichtsausdruck. Ganz schön verbissen, das alles hier. Kann sein, dass die Spanier neben uns kein Englisch können, doch diese demonstrative Coolness schreckt uns ab und wir räumen das Feld.
Trotz schlappem Wind sind die Top-Teams jeden Tag auf dem Wasser, doch wir vertreiben uns die Tage mit einer Fahrradtour zum Cap Frehel und einem Ausflug nach St Malo. So vergeht die Zeit blitzschnell und Mittwoch Nachmittag gabeln wir Martin bei 30°C am Flughafen in Rennes auf. Dabei fällt uns auf, dass die Dieselpreise von 1,10 bis 1,50 EUR schwanken. Auf den Preis gucken lohnt sich also.
Die Flotte an nagelneuen Booten wächst täglich. Vor allem das Hobie-Team glänzt dabei durch gigantische Müllberge aus Blasenfolien und Kartons, die achtlos am Strand liegen bleiben. Neben den C2s und Wildcats wirkt der Infusion fast schon hausbacken. Der Shockwave fällt durch seine massigen Rümpfe auf, wenn man genau hinschaut entdeckt man noch den ein oder anderen Alado, Diam und Mattia. Tiger gehören schon zur bedrohten Spezie doch unser Hawk ist wirklich der Methusalem. Wir brauchen viel Selbstbewusstsein, um neben dem ganzen neumodischen Kram zu bestehen.
Als wir Donnerstag genau vor der Promenade aufriggen ist die Springzeit vorüber und bleibt auch bei Flut genügend Strand für die Boote. Wir bekommen auch weiterhin keinen Kontakt zu den uns umgebenden Teams. Die Franzosen von Hobie reagieren wie versteinert, als Friederike rüber krabbelt, man grüßt sich nicht, grinst sich nicht zu. Nur Willem, der Holländer, der neben uns aufbaut, begrüßt uns per Handschlag.
Mittags kommen Sven und Finn nach turbulenter Anreise (Knöllchen, kleiner Unfall,...) an und während sie aufriggen und die thermische Brise auffrischt, machen Steffi und ich uns auf zu einer ersten Runde. Am Wasser angekommen haben wir die Rumpfdeckel vergessen und Steffi lernt fluchend die Breite des Strandes kennen, während Heemskerk im Vorübergehen ungläubig den Kopf verdreht und seinem Schotten was von "ein echter Dart Hawk" zuruft.
Die Segelei ist grandios! Nach Westen raus brist es bis auf 5 Bft auf und wir sind wie berauscht: Glasklares, türkis-blaues Wasser, strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen (Neoprenanzug) und eine tolle Kulisse. Die Wellen sind gut beherrschbar. Die Bucht von Erquy liegt nochmal in einer gigantischen Bucht und die vorgelagerten Untiefen (die bei Ebbe hervortreten) decken das Revier gegen größere Wellen ab. So ist auch die Brandung sehr gut zu meistern und das Anlanden wird zum entspannten Rutsch.
Unsere Ferienwohnung füllt sich langsam, genau wie der Strand. Mehr und mehr Boote tauchen auf und da es keine Order "von oben" gibt, zieht der Traktorfahrer die Neuankömmlinge dahin, wo sie wollen. Unser Flensburger Plätzchen gerät dabei zunehmend zwischen die Fronten des französischen Hobie-Teams und der Freunde von Willem, doch wir stellen uns ganz stoisch immer wieder auf dieselben Plätze, bis es auch der letzte kapiert hat und uns eine Gasse offen läßt.

Letzte Vorbereitungen

Schon bei den Vorbereitungen zeigt sich, dass man dieses Jahr von der Organisation nicht allzuviel erwarten darf. Vorweggreifend sei gesagt, dass jede kleine Regatta bei uns professioneller durchgeführt wird, als das was wir hier geboten bekommen. Von einer WM hätte ich etwas anderes erwartet, aber es geht schon mit dem Vermessen los: Die ausgehängten Listen in die man sich zur Wunsch-Uhrzeit eintragen kann sind schon am ersten Tag nutzlos, da nicht alle Waagen funktionieren. So bricht irgendwann die Anarchie aus und jeder der Zeit hat stellt sein Boot mit gelegtem Mast in die Schlange. Sie wächst und wächst, bis über die Zufahrt hinweg und bringt die Organisatoren nach und nach zur Weißglut, weil irgendwann überall Boote mit gelegtem Mast herumliegen und selbst den Straßenverkehr blockieren. Die Segler lassen sich von dem Chaos nur mäßig beeindrucken, zumal die Vermesser zwischendurch auch 1,5 h Mittagspause beanspruchen und polieren und putzen was das Zeug hält. Die Luft ist geschwängert von Silikon- und Teflonaerosolen. Schon irre, was man alles auf sein Boot pampen kann.
Nach durchfahrener Nacht kommen Peter, Astrid, Arno und Sohn Momme vormittags an und machen einen erstaunlich fitten Eindruck. Die rasende Apotheke wird aufgeriggt und reiht sich in die Vermessungsschlange, während ich mit Sönke gegen Martin&Axel und Sven&Finn eine Runde angleichen gehe. Dabei wird mal wieder deutlich, dass Sven unser Leichtwindexperte ist, wir haben keine Chance. Mangels Wind drehen wir irgendwann eine Runde um die Baake auf den vorgelagerten Untiefen. Jetzt, bei Flut, schaut nur der Fels mit der Baake raus, bei Ebbe (bis 9 m Tidenhub) verwandelt sie sich in eine felsige Insel.
Der Sonntag beginnt mit einem fidelen Frühstück, bei dem Justus den Brötchenservice macht. Wir sind vollzählig und die Stimmung ist wie das geniale Wetter. Nur der Wind, der läßt wie die vergangenen Tage auf sich warten. Zum Practice-Race versammeln sich etwa 120 Boote. Wir legen uns entspannt links an die Linie, bis wir irgendwann regelrecht von den Profis überrannt werden und verzweifelt in die zweite Reihe abrutschen. Trotz Practice-Race wird den Gegnern hier kein Milimeter geschenkt und das Wetteifern endet in einem allgemeinen Rückruf, der statt mit der Hupe durch eine Trillerpfeife angekündigt wird. Man könnte dies auf das Practice-Race schieben, doch so geht es auch in den kommenden Tagen in einem fort. Die Presslufthupe scheint regelmäßig zu versagen und schon beim zweiten Ton des allgemeinen Rückrufs verreckt sie zu einem jämmerlichen Röcheln. So wird das 1 Minuten Signal irgendwann nur noch per Trillerpfeiffe mitgeteilt, ein Brüller, bei 80 Booten pro Start.
Abgeschreckt durch die ersten Erfahrungen starten wir beim zweiten Start fast alleine rechts raus und erwischen einen netten Schwung. So bekommen wir zwischendurch sogar mal Bundocks Patria-Segel zu sehen und enden irgendwo im Mittelfeld. Zumindest denken wir das, denn in Wirklichkeit wurde auch dieses Rennen abgeblasen. Hat nur kaum jemand mitbekommen. Das eigentliche Practice-Race fuhren am Ende nur knapp 30 Boote.
Die offizielle Begrüßungsfeier ist ein Witz. Der Oberguru murmelt ein paar unverständliche französisch-englische Worte in die viel zu leise eingestellte Anlage und danach gibt es Freibier. Ansonsten ist nichts los, wie gut, dass wir Pesto, zwei Kästen Flens und einen mit Bionade im Kühlschrank stehen haben.

Qualifikation

Der Montag und Dienstag sind für's Qualifying eingeteilt. Das Feld aus 160 Booten wird in vier Gruppen geteilt (gelb, weiss, rosa, violett) und in sechs Rennen segelt jede Gruppe zweimal gegen jede andere. Der Kurs besteht dabei aus einer Kombination aus zwei parallel ausgelegten Bahnen (Luvtonne & Gate). Segelt man im ersten Start den "Outer Loop", geht es nach der Luvtonne rüber zur Luvtonne des anderen Kurses, auf dem man dann den ersten Spigang und den Rest der zweiten Runde bis ins Ziel segelt. Startet man als zweiter auf dem "Inner Loop" wechselt man erst nach der zweiten Kreuz rüber auf die andere Bahn. So reichen ein Start- und ein Zielschiff für einen eigentlich reibungslosen Ablauf.
Mangels funktionierendem Drucker wird jedes Boot mit seiner Gruppenfarbe aufgerufen, wonach man sich den entsprechenden Wimpel holt und ins Segel knotet. Bevor man auf's Wasser geht, muss man sich in einer Liste austragen (sonst riskiert man ein DSQ), doch die Druckerprobleme erstrecken sich auch auf diese Listen, weshalb sich das gesamte Feld spontan mit Edding auf einem Biertisch austrägt. Die Kreativität der Segler wird durch mangelhafte Regattaorganisation gefördert.
Im Gegensatz zu uns sind alle anderen Segler wirklich heiß und provozieren Fehlstart nach Fehlstart. Wir kommen uns vor wie beim Start-Training. Auch die berüchtigte Black Flag ändert nichts am Verhalten. Es gibt Rückruf nach Rückruf. Die betroffenen werden dabei erst ab dem zweiten Tag auf der Kreidetafel am Startschiff gelistet. Man hat die Tafel kurzerhand halbiert. Links stehen Kurs und Entfernung zur Luvtonne, rechts in winziger Schrift die Segelnummern der erfaßten Frühstarter. Am Startschiff wechseln sich die Trillerpfeife und die Hupe ab, kein Wunder, dass es ewig dauert, bis die meisten Leute kapieren, wann es zu einem Rückruf kommt.
Uns wird schnell klar, dass wir hier keine Chance haben. Freier Wind ist bei diesen Bedingungen (2-3) das A und O und da uns unser Boot (vor allem die Ruderanlage) für die agressive Starterei zu schade ist, hängen wir danach mitten in den Abwinden und müssen uns irgendwie unseren Weg suchen. Der schwache Wind, kombiniert mit der Restwelle tut sein weiteres, damit komme ich einfach nicht klar, doch die Stimmung an Bord bleibt dank Christian fröhlich und unbeschwert und wir lernen mit jedem Lauf dazu. Auch hier hinten wird gekämpft. Als der Wind nachmittags auf knappe 4 Bft anzieht kommt Freude auf. Endlich Doppeltrapez, da sagt meines *plopp* und ich liege im Bach. Es ist glatt durchgerissen und mit der Schot in der Hand überlege ich noch, ob ich mich festhalten oder loslassen soll, da dreht das Boot in den Wind und ich kann wieder aufsteigen. Glück gehabt.
Die Folgen des stärkeren Windes sind abends am Strand zu bewundern: Der ein oder andere Wildcat-Segler trägt die Reste eines geknackten Schwerts mit sich herum. Angeblich waren es heute 14 Stück. Bei den Seglern anderer Bootstypen führt dies zu einem schadenfrohen Grinsen, doch eigentlich ist es ein trauriges Zeugnis für einen schlechten Entwurf.
Der zweite Tag des Qualifying bringt leider wieder wenig Wind, der auf maximal knappe 3 Bft anzieht. Jeder Lauf beginnt mit mehreren Startübungen, kombiniert mit den wechselnden akustischen Signalen aus Trillerpfeife und Horn. Nach den gestrigen drei Läufen liegen wir 17 Plätze vor dem Ende, also alles entspannt. Der Wechsel zur zweiten Bahn geht heute unter Spi im Doppeltrapez. Dabei drückt sich das Feld immer weiter nach Luv und wehe man begeht den Fehler und segelt den direkten Kurs. Dann endet man im Lee und ein Boot nach dem anderen zieht in Luv vorbei. Seltsamerweise wiederholen wir diesen Fehler wieder und wieder.
Die Kommunikation zwischen den Booten läuft einiges sittsamer an als erwartet. Beim Start gibt es das übliche Gebrülle, ansonsten reicht ein kurzes Pfeifen um auf sich aufmerksam zu machen. Nur bei unserem letzten Gate-Manöver lernen wir das französische Temperament kennen. Auf BB-Bug zwingen wir drei Boote in Luv des Gates zur Halse. Nach Meinung unseres Nachbarn überfahren wir danach den Anlieger, was drüben zu einer regelrechten Explosion führt. Ein ganzer Schwall an französischen Schimpfwörtern ergießt sich über uns und während ich noch versuche, den kleinen Vulkan darauf hinzuweisen, dass ich nur englisch rede, bekommt Christian vor Lachen kaum noch Luft.
Für den letzten Start entwickeln wir nochmal Ehrgeiz und stürzen uns links ins Getümmel. Die Profis verhalten sich sehr kontrolliert, doch ein französischer Wildcat rast mit Vollstoff mitten ins Gedränge und rammt um Haaresbreite unsere Ruderanlage, wonach wir uns eingeschüchtert in die zweite Reihe verziehen. Der Start ist damit verpatzt, doch der Wildcat bleibt zur Strafe unter großem Geschrei an der Ankerkette des zweiten Startschiffes hängen.
Mit Ruhm haben wir uns heute nicht bekleckert, doch die Stimmung ließ sich davon bisher nicht trüben. Das besorgt das groß angekündigte Abendessen: Kalte, vorgegrillte Bratwurst, eingerollt in einen aufgewärmten Galette (Buchweizenpfannkuchen). Angesichts des französischen, kulinarischen Anspruchs ein echter Witz.

Rennen

Es war klar, ganz Flensburg landet in der Silber-Flotte. Ab heute segeln alle Mehlaugen unter sich, was es für uns abwechslungsreicher und interessanter macht. Statistisch segeln jetzt doppelt soviele Boote um uns herum wie vorher. Mangels Wind schickt man uns erst um 15:00 auf's Wasser, Christian hat also massig Zeit um als frischgebackener, dreißigjähriger Single die Rampe zu fegen. An der Startlinie ist mal das Schiff und mal die "Tonne" (auch ein Schiff) extrem bevorteilt und hin und wieder treiben große Tangfelder durch. Wenn man dort hinein gerät, legt man eine Vollbremsung hin.
Im ersten Lauf brist es auf geniale 3-4 Bft auf und wir haben mächtig Spaß. Ein Hubschrauber kreist heute über dem Feld. Das verspricht tolle Aufnahmen und wir sind begeistert, bis er sich an der Luvtonne in 20 m Höhe knapp in Luv von uns legt und uns mit seinen Abwinden fast vom Wasser fegt. Was für ein Idiot, Christian propagiert die integrierte Stinger und mir gehen unschöne Sachen mit Bierflachen mit Kronkorken wo rein stecken durch den Kopf. Unsere Stinkefinger und geballten Fäuste haben irgendwann sein Verschwinden zur Folge, allerdings wird der Filmausschnitt von uns später gnadenlos rausgeschnitten.
Wenn die Goldflotte vor uns startet, machen wir uns den Spaß und segeln 30 m in Lee die Linie entlang. So bekommen wir den Trubel hautnah mit und sind tief beeindruckt von der Kaltblütigkeit und der Bootsbeherrschung der Champions. Wo die sich überall noch reindrängen, das ist schon irre.
Leider hat es sich nach dem ersten Lauf mit dem Wind. Er schläft zusehends ein und wir quälen uns um den Kurs. Als wir uns im letzten Lauf auch noch so richtig in die Grütze segeln wird der Spigang zur Tortur. Wir sind zwar unter den letzten 10, doch endlich am Ziel angekommen, ist es schon geschlossen und wir bekommen alle ein DNF verpaßt. Danach dümpeln überall Katamarane herum und das Reinschleppen unterstreicht mal wieder die unfähige Organisation. Zum Glück gabelt uns noch ein Boot auf, so sind wir um 20:30 endlich an Land und können uns am erstklassigen Spanferkel-Dinner laben. Das Deutschland währenddessen gegen Spanien aus dem Halbfinale fliegt, bekomme ich dabei nur halb mit.
Donnerstag starten wir fast pünktlich, werden als Silberflotte allerdings diskriminiert und sind wieder als zweite dran. Bei 3 Bft kommen wir ganz gut um den Kurs, doch gegen Ende ist der Wind wieder fast eingeschlafen und die gesamte Flotte wird für eine Stunde an Land geschickt. Heute läuft ein etwa 1,5 m hoher und 30 m langer Schwell durch's Regattagebiet und sorgt am Strand endlich für Brandung. Hatte ich anfangs Bammel davor, freue ich mich inzwischen über die spannende Abwechslung beim Anlanden.
Als man uns wieder rausschickt, pustet es mit 3-4 Bft und wir genießen einen schönen Lauf. Allerdings tappen wir an der Luvtonne immer wieder in dieselbe Falle: Man kann den Anlieger gar nicht weit genug überfahren, IMMER gibt es noch andere, die auf dem Weg zur Luvtonne vor einem durchstechen und sich ins Luv legen. das ist ziemlich frustrierend, doch wir schaffen es meistens, über unsere Blödheit zu grinsen.
Durch den stärkeren Wind werden die Gate-Manöver zunehmend stressiger. Wir runden gerade die Tonne, da kommt lauthals brüllend ein ungarischer Infusion von hinten angeschossen und verlang Innenraum. Wir schaffen es gerade noch abzufallen und Fahrt aufzunehmen, ohne von seinem Spibaum aufgespießt zu werden, da rumst es und wir stehen fast still. Weit und breit erkennen wir kein Treibholz. Die Ankerleine der Boje ist auch schon wieder weit weg und so inspizieren wir ratlos unsere Schwerter und Ruder. Wir sind uns nicht sicher was wir hier gerammt haben, doch Arno und Peter erzählen uns abends von einem 1 m langen, dicken Fisch, der tot am Gate herum trieb. Evtl. haben wir ihn auf dem Gewissen.
Im dritten Lauf werden wir zuerst gestartet und haben eine grandiose Kreuz. Alleine durch eine Lücke mit Fahrt rechts raus. Endlich freier Wind, wir nageln dahin, erreichen in der Toppgruppe den Anlieger zur Luvtonne, da macht es *knipps* und der Wind schläft ein. Diesmal habe ich Mühe, meine Stimmung hoch zu halten, doch als wenig später im Feld das Chaos ausbricht, weil keiner so richtig weiss, ob wir jetzt auf dem Inner- oder Outer Loop sind, kehrt ein zynisches Grinsen zurück. Logisch gesehen wäre als erste Gruppe der outer Loop dran, doch mehr und mehr Boote halten auf das erste Gate zu, also schließen wir uns an. Währenddessen reiht sich unten die Goldflotte zum Start auf, bis Helge und Christian den Wettfahrtleiter drauf hinweisen, dass er die Silbergruppe auf den Inner Loop geschickt hat und er die Goldflotte heimschickt. Was für eine Chaostruppe.
Trotz des schwachen Windes werden die Spigänge zum Genuß. Platziert man sich richtig auf den Schwell, sind lange Surfs möglich. Der Fahrtfind sorgt für mehr Druck, was wiederum für mehr Fahrt sorgt. Manche unterschätzen diesen Effekt und so kentert ein Wildcat keine 20 m vor uns, obwohl eigentlich kaum Wind weht. Skuril.
Der Abend bringt leider nicht die ersehnte Entspannung. Unsere kleine Friederike, die vor drei Tagen ihren ersten Geburtstag feierte kotzt und hat 40°C Fieber. Die Nacht wird zum Martyrium
Der letzte Regattattag bringt wenig Wind, doch wir werden um 11:00 rausgeschickt. Dank der drehenden Winde liegt die Startlinie heute extrem schief, doch alle bekommen es mit und wir enden mitten im Kampfgetümmel. Für sowas sind wir zu vorsichtig, fallen also hinten raus und kämpfen wieder mit den Abwinden. Dafür teilen wir uns mit Martin die hinteren Plätze, bis er sich zum zweiten Mal ins Lufttrapez hängt und beim anschließenden Bad die Pinne bricht. Die gute, extrateure Hobiepinne, die er am Vortrag gekauft hat.
Den Anlieger zur Luvtonne nehmen wir auch heute wieder zu knapp und verrecken gnadenlos im Lee der anderen (wie jedes Mal...). Irgendwie ist nach fünf Tagen Regatta die Luft raus und so wird auch der zweite Lauf alles andere als schön. Unter Spi gehe ich zu früh auf Tiefe und dann zieht ein Boot nach dem anderen an uns vorbei. Als irgendwann auch noch der Letzte (USA) vor uns durch geht beschließen wir, dass es jetzt reicht, raffen die restliche Konzentration zusammen und enden als Vorletzter. Da haben wir die Ehre wohl so gerade eben noch gerettet.
Nachdem die Goldflotte um kurz vor drei neu starten darf, ist für uns klar, dass wir heim können. Christian begrüßt das, da es ihm heute nicht gut geht. Wir haben das Boot gerade abgeriggt, da kniet er sich in den Sand und kotzt sich die Seele aus dem Leib. Scheinbar war Friederike gestern nur der erste Indikator, dass was in der Luft liegt. Selbst Mitch Booth hat heute abgebrochen, weil er kotzen mußte.
Es ist heiß unbd flautig und während Sven und Finn schon abriggen, verzieht sich der Rest der Gruppe unter unseren ollen Spi (geniales Sonnensegel) und wartet auf die Preisverleihung. Neue Weltmeister sind Backes&Jarlegan vom Sailinnovation Projekt. Sie segeln einen Wildcat, an dem allerdings nur noch die Platform original ist. Der Rest (Rigg und Segel) ist überarbeitet. Die Preisverleihung ist mangels Lautstärke und Englischkenntnisse der Ausrichter wieder ein Witz und es ist bezeichnend, dass sich keiner bei ihnen bedankt, bis Heemskerk am Ende nochmal das Mikro ergreift und ein paar lobende Worte verteilt. Da hat sich das Publikum aber schon zerlaufen und keiner bekommt es so richtig mit.

Heimfahrt

Als sich Samstag abzeichnet, dass das mit dem Wind nichts mehr wird, bauen auch wir Nachzügler ab. Es ist fast gespenstisch, wie leergefegt der Strand nach den vergangenen Tagen ist. Lediglich die Hobie-Müllberge und die Zelte erinnern noch an die WM. Neben uns riggen auch die Argentinier ihre Boote ab und verstauen sie in einem Container. Sie haben scheinbar die gesamte Sieger-Flotte aufgekauft, doch Details erfahren wir nicht, sie sind so verschlossen und cool wie die meisten hier. Zur WM fährt man scheinbar zum Siegen, nicht um Spaß zu haben. Wie war sind da Christians Worte: "Wir haben am Ende eine geile WM gehabt, während sich die anderen über ihre Platzierung ärgern." Ein klarer Vorteil für diejenigen, die aus olympischen Gedanken an solch einem Event teilnehmen.
Am frühen Nachmittag machen Martin, Steffi, Friederike und ich uns auf den Weg. Axel haben wir in Lamballe abgesetzt, er wird Sonntag fliegen. Heute ist er völlig angeschlagen und auch Steffi klagt über Gegrummel im Unterleib. Die Lager-Pest breitet sich scheinbar aus.
Wir fahren in einem durch und es ist eine weitgehend ereignislose Fahrt. In Holland fahren wir nachts von hinten in eine gigantische Gewitterfront. Blitze zum Abwinken und die Wolkenbrüche bremsen uns teilweise auf 50 km/h herunter. Das ist gut zum Entsalzen unserer Boote und nach 2 h sind wir durch und ist der Spuk vorbei.
Sonntag gegen 7:00 kommen wir verkatert an und der WM Ausflug ist zu ende. Uns bleibt die Erkenntnis, dass man auch als Mehlauge an einer WM mit Spaß teilnehmen kann, solange man die Freude am Segeln in den Vordergrund stellt. Organisatorisch war diese WM sicherlich ein Tiefpunkt, doch wenn die Rennen einmal liefen haben wir viel gelernt und zu sehen gab es auch immer reichlich. Wiederholung nicht ausgeschlossen.


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